Wie war dein Einstieg in die Welt der IT? War es zuerst nur ein Hobby oder wusstest du gleich von Anfang an, dass es deine Berufung ist?
Mein Hobby als Schüler war es, Modellraketen zu basteln. Die schießt man mit einem Schwarzpulver-Treibsatz in den Himmel und wenn man die Rakete richtig ausgelegt hat, geht dann ein Fallschirm auf, der sie heile wieder auf die Erde bringt. Wenn nicht, ist die Rakete Kleinholz: Geht der Fallschirm zu früh auf, dann zerreißt es die Rakete im Steigflug. Öffnet er sich zu spät, muss man die Reste der Rakete aus dem Feld ausbuddeln. Dadurch lernt man schnell, dass es mehr Spaß macht, das alles durchzurechnen. Und weil es hierfür keine Software gab, war das für mich die Motivation, mir Programmieren beizubringen. Ich hab das damals sogar zu meinem Facharbeitsthema gemacht (das war damals in Bayern verpflichtender Teil vom Abitur) und bei “Jugend forscht” teilgenommen. Da bin ich zwar nicht weit gekommen (meine Mess-Rakete, mit der ich meine berechneten Daten validieren wollte, ist leider beim zweiten Flug durch einen Treibsatzfehler explodiert, so dass ich quasi nur einen einzigen Datenpunkt hatte und das ist für Forschung natürlich nicht besonders viel ;-p), aber ich habe dort andere getroffen, die sich auch für Programmierung interessiert haben. Das hat mir geholfen, dranzubleiben.
Auf der JavaLand hältst du den Vortrag "Test Intelligence für historisch gewachsene Systeme". Warum hast du dich für dieses spezielle Thema entschieden?
Aus zwei Gründen: Erstens sehe ich bei vielen unserer Kunden, dass bei historisch gewachsenen Systemen auch die Test-Suites historisch gewachsen sind. Und historisch gewachsen ist ja in dem Kontext eigentlich eine Umschreibung von “würde man heute nicht mehr so bauen, kann man aber nicht mehr einfach ändern, darauf verzichten aber auch nicht, daher müssen wir damit nun klarkommen.” Konkret bedeutet das aber, dass für viele missionskritische Systeme die Tests viel zu lange laufen und viel zu viele Lücken haben. Das ist schmerzhaft. Und zweitens ist das ein Themengebiet, mit dem meine Kollegen und ich uns seit ca. einem Jahrzehnt in der Forschung beschäftigen und hier tatsächlich Ansätze (z.B. zur Priorisierung und Selektion von Tests) entstanden sind, die in der Praxis gut funktionieren. Zuletzt ist es natürlich spannend, zu verfolgen, wo hier KI-Ansätze anwendbar sind und ob sie wirklich in der Praxis etwas taugen.
Welche Entwicklungen oder Trends verfolgst du aktuell in der Java-Welt?
Aktuell interessiert mich vor allem, an welchen Stellen der Einsatz von KI wirklich in der Entwicklung und im Test etwas bringt. Und zwar nicht, ob es prinzipiell möglich ist und was man alles machen könnte, sondern was tatsächlich klappt und Zeit und Aufwand spart.
Worauf freust du dich bei der JavaLand am meisten?
Auf die persönlichen Begegnungen. Auch wenn ich, wenn ich die letzten fünf Jahre Revue passieren lasse, überrascht bin, in wie vielen Lebensbereichen virtuelle Meetings gut klappen, gehören Konferenzen für mich hier nicht dazu. Nichts geht über die Vor-Ort-Begegnung. Im Vortrag, beim Plausch an der Kaffeemaschine und beim Feierabendbierchen.
Was ging dir zuerst durch den Kopf als du vom Nürburgring als Standort der JavaLand 2024 erfahren hast?
Spannend und ich freue mich drauf!
Was machst du am liebsten in deiner Freizeit?
Wenn mich meine Kinder gerade in Ruhe lassen, gehe ich gerne Essen und trinke ein kühles Bierchen, am liebsten vom Fass und von einer ortsansässigen Brauerei.
Vielen Dank für das Gespräch, Elmar!


