"Ein Bleistift als Chance" – Wie Maren Reisner mit einer NGO Bildungsperspektiven für Kinder schafft

  • Erstellt von Marcos
  • Panorama, APEX

Ein einfacher Bleistift kann der Anfang von Bildung, Perspektiven und Selbstbestimmung sein. Im Interview erzählt Maren Reisner, Gründerin von "A Bleistift FOR EVERYONE", wie aus einer Weltreise eine internationale Bildungsinitiative entstand.

Hallo Maren, während einer Weltreise entstand die Idee zu “A Bleistift FOR EVERYONE”. Was war der Moment oder die Erfahrung, die dich schließlich dazu gebracht hat, diese Initiative zu gründen?

Während meiner Weltreise ist mir zunächst positiv aufgefallen, dass in vielen der besuchten Länder nahezu alle Kinder eine Schule besuchen. Allerdings habe ich mir einige Schulen näher angeschaut. Dabei wurde mir deutlich, unter welch herausfordernden Bedingungen dort gelernt und gelehrt wird. Viele Gebäude befanden sich in einem sehr schlechten Zustand, zahlreiche Kinder verfügten über keinerlei Schulmaterialien. Oft ist auch das Ausbildungsniveau der Lehrkräfte nicht entsprechend.

Mir war schon zuvor bewusst, wie wichtig grundlegende Bildung ist. Vor Ort wurde mir jedoch noch einmal sehr deutlich, dass unter solchen Umständen meist keine ausreichende Bildung vermittelt werden kann. Bildung eröffnet Kindern Perspektiven und stärkt sie darin, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand schließlich die Idee zu Bleistift FOR EVERYONE.


Deine Projekte unterstützen Schulen in mehreren Ländern. Wie reagieren Schulen, Lehrkräfte und lokale Partner vor Ort auf Ihr Engagement?

Auf kommunaler Ebene begegnet uns häufig eine große Dankbarkeit. Viele Lehrkräfte schätzen die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen, die es ihnen ermöglicht, ihre Schüler*innen besser zu fördern. Gleichzeitig erleben wir ein hohes Engagement innerhalb der Schulgemeinschaft. Der Wunsch, z. B. nach Fortbildungen, kommt häufig direkt von den Lehrkräften selbst.

Unsere Unterstützung setzt meist neue Energie in den Schulen frei. Dies zeigt sich unter anderem in einer höheren Anwesenheit von Lehrkräften und Schüler*innen, sinkenden Schulabbruchsquoten sowie verbesserten schulischen Leistungen. Manchmal stellen wir jedoch fest, dass aus unterschiedlichen Gründen keine nachhaltige Verbesserung erreicht werden kann. In solchen Situationen sind wir im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Spendengeldern gefordert, Aufwand und Wirkung sorgfältig abzuwägen.
 


 

✏️ ABFE – A Bleistift FOR EVERYONE 🍲
NGO goes #apexconn26
18.-20. Mai 2026
 Heide Park Soltau
apex.doag.org
 


 

Wenn eine Organisation aus Europa in anderen Kulturkreisen Bildungsprojekte unterstützt, kann es auch zu Skepsis oder Missverständnissen kommen. Welche Erfahrungen hast du mit kulturellen Barrieren oder anfänglichem Misstrauen gemacht?

Wir arbeiten eng mit lokal ansässigen Organisationen sowie erfahrenen Partner*innen zusammen, die aus den jeweiligen Ländern stammen. Gemeinsam mit ihnen stehen wir im kontinuierlichen Austausch mit den Schulgemeinschaften und beziehen diese in wichtige Entscheidungen ein. Zu Beginn der Zusammenarbeit ist es für uns zentral zu verstehen, welche konkreten Gründe beispielsweise zu Schulabbrüchen, häufigen Fehlzeiten von Lehrkräften oder einem niedrigen Leistungsniveau führen.

Oft lassen sich bereits durch vergleichsweise einfache Maßnahmen erste Verbesserungen erreichen. Dazu gehören Schulmaterialien, die eine aktive Teilnahme am Unterricht ermöglichen, ein tägliches Schulessen als Anreiz für regelmäßigen Schulbesuch oder grundlegende Dinge wie festes Schuhwerk oder warme Kleidung für lange Schulwege.

Regelmäßige Projektbesuche, in der Regel im Abstand von etwa zwei Jahren, helfen uns dabei, kulturelle Unterschiede besser zu verstehen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam zu erarbeiten, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird.


Welche praktischen oder organisatorischen Stolpersteine begegnen dir bei der Umsetzung der Projekte in den verschiedenen Ländern?

Die konkreten Herausforderungen unterscheiden sich von Land zu Land und auch von Projekt zu Projekt. Was jedoch viele Vorhaben verbindet, ist der vergleichsweise hohe Zeitaufwand im Bereich der Abrechnung. Als Organisation mit Sitz in Deutschland sind wir an bestimmte Standards gebunden, die in vielen Projektländern so nicht üblich sind.

Es wirkt auf den ersten Blick fast überraschend, dass gerade dieser Bereich häufig ein so großes Thema darstellt. Dennoch ist es entscheidend, Ausgaben so zu dokumentieren, dass sie unseren Anforderungen an Transparenz und Nachvollziehbarkeit entsprechen. Regelmäßige persönliche Besuche und die gemeinsame Planung der nächsten Entwicklungsschritte tragen dazu bei, auch hier langfristig tragfähige Lösungen zu finden.


Bildungsprojekte brauchen langfristige Finanzierung. Wie gelingt es Ihnen, Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen und die Arbeit von “A Bleistift FOR EVERYONE” dauerhaft zu sichern?

Eine wichtige Rolle spielen Unternehmen, die im Rahmen ihres sozialen Engagements einzelne Schulen unterstützen und idealerweise mittel- bis langfristig die Finanzierung der laufenden Kosten übernehmen.

Ebenso wichtig sind unsere Partnerschaften mit Schulen in Deutschland. Dort engagieren sich Schüler*innen im Schulalltag und bei Aktionen, um Verantwortung zu übernehmen und Bildungsprojekte zu ermöglichen.

Eine weitere Säule sind allgemeine Spenden und Fördermittel, mit denen wir gezielte Einzelmaßnahmen oder größere Projekte finanzieren.

Ein zentraler Bestandteil ist zudem unser Patenschaftsprogramm. Mit einem monatlichen Beitrag von € 10,00 kann ein Kind an unseren Schulen mit einem täglichen Mittagessen versorgt werden. Dies motiviert viele Kinder, regelmäßig zur Schule zu kommen. Gleichzeitig entlastet es Familien. Hungrig lässt es sich nur schwer lernen.

Was uns von vielen Organisationen unterscheidet, ist außerdem der Verkauf ausgewählter Produkte mit einem verbundenen Spendenzweck. Z. B. wird für jeden verkauften Collegeblock ein US-Dollar gespendet. Für jeden verkauften Bleistift erhält ein Schulkind einen Bleistift. Oft scheitert die aktive Teilnahme am Unterricht bereits daran, dass ein einfacher Stift fehlt. Schauen Sie gerne einmal in unseren Shop unter www.ableistift.de.

Ein zunehmend bedeutender Bereich ist die digitale Bildung. An unseren weiterführenden Schulen ermöglichen wir IT-Unterricht und möchten perspektivisch auch Kenntnisse im Bereich Künstliche Intelligenz vermitteln. Deshalb ist unsere Präsenz auf der APEX connect 2026 besonders wichtig. Dort hoffen wir, Unternehmen zu treffen, die sich vorstellen können, uns beim Ausbau dieser Bildungsangebote zu unterstützen.


Hinweis: In guter Tradition gibt die APEX connect Jahr für Jahr unterschiedlichen NGOS die Möglichkeit, ihre Anliegen den Konferenzbesucherinnen und -besuchern vor Ort und in direktem Kontakt näher zu bringen. An jedem der drei Tage der APEX connect 2026 vom 18. bis 20. Mai ist jeweils eine andere NGO vor Ort, die sich mit ihren Leitgedanken, den Projekten sowie den Unterstützungs- & Spendenoptionen vorstellt. Alles zur Konferenz APEX connect 2026 erfahrt ihr auf apex.doag.org.


Anm. d. Autors: Das Gespräch mit Maren Reisner zeigt, wie wirkungsvoll vergleichsweise kleine Maßnahmen sein können, wenn sie gemeinsam mit lokalen Partnern umgesetzt werden. Gleichzeitig wird deutlich, dass nachhaltige Bildungsprojekte langfristiges Engagement, Vertrauen und verlässliche Finanzierung brauchen.

"Bildung beginnt mit einem Bleistift" – Maren Reisner über Motivation, Herausforderungen und die Wirkung globaler Bildungsprojekte