Der Oracle Enterprise Manager (OEM) begleitet mich nun schon seit vielen Jahren – als treuer Helfer, als mächtiges Werkzeug, manchmal auch als Quelle stiller Verzweiflung. In dieser Zeit habe ich unzählige Targets überwacht, Patches ausgerollt, Jobs geplant und Incident Rules erstellt – und dabei OEM lieben gelernt.
Doch wie in jeder guten Beziehung gibt es auch hier Momente, in denen man sich fragt: “Warum tue ich mir das an?”
In dieser Kolumne möchte ich meine persönliche Sicht auf OEM teilen: Zehn Dinge, die ich an diesem Tool wirklich schätze – und drei, die mich regelmäßig an den Rand des Wahnsinns bringen. Vielleicht erkennt sich der eine oder die andere darin wieder…
Starten wir mit den 10 Dingen, die ich an OEM schätze…
1. Die zentrale Sicht auf alles
OEM bietet eine einheitliche Oberfläche, nahezu alle Homepages der Ziele sind gleich aufgebaut. Gerade die sogenannte “Enterprise Summary” zeigt alles auf einen Blick an, von dem Status aller Ziele über aufgetretene Incidents bis hin zu einer Kurzübersicht der Jobs.
2. Blackouts
Unverzichtbar, wenn man eine Wartung ohne Alarmflut durchführen möchte. Teilweise ist diese Funktion jedoch lizenzpflichtig (zum Beispiel Diagnostics Pack).
3. Groups
Ziele lassen sich in Gruppen zusammenfassen, was die Verwaltung deutlich vereinfacht. So können Jobs gleichzeitig ausgeführt, gemeinsame Incident Rules konfiguriert oder Zugriffsrechte zentral vergeben werden.
4. Performance-Überwachung und -Tuning
Via OEM ist eine Performanceanalyse mittels Konsole einfach und visuell gut aufbereitet. Man findet zügig etwaige Langläufer oder blockierende Sessions. Man kann auch direkt über die Konsole SQL-Statements tunen oder sich Optimierungsvorschläge anzeigen lassen. Leider ist für die Performance-Untersuchung das Diagnostics Pack und für das Tunen auch das Tuning Pack notwendig und auch die Datenbank selbst muss in der Enterprise Edition lizensiert sein.
5. Job System
Jobs wie Backups oder Data Pump Exports lassen sich im OEM einfach erstellen und regelmäßig planen. Auch “Corrective Actions” können hilfreich sein, um beispielsweise eine große Anzahl an invaliden Objekten automatisiert zu rekompilieren. Das Job-System unterstützt somit die Automatisierung von wiederkehrenden Tätigkeiten – ohne viel Programmieraufwand.
6. Job System Console
Unter “Setup – Manage Enterprise Manager – Job System Console” findet sich ein Dashboard mit einer Übersicht über alle geplanten, erfolgreichen und fehlgeschlagenen Jobs. Auch die durchschnittliche Laufzeit und mögliche Engpässe lassen sich dort erkennen – besonders hilfreich in größeren Umgebungen.
7. Überwachung und Incident Management
Über den “Incident Manager” innerhalb des OEM können Incidents und Problems geprüft werden. Diese können verschiedenen Administratoren zugewiesen, bestätigt, unterdrückt und kommentiert werden. Innerhalb des OEM ist dies ohne zusätzliche Lizenz möglich. Das Versenden von E-Mails aufgrund von Incidents benötigt mindestens ein zusätzliches Pack, zum Beispiel das Diagnostics Pack. Dennoch bietet der Incident Manager auch ohne Lizenzoptionen eine gute Grundlage, um den Überblick über kritische Ereignisse zu behalten und strukturiert darauf zu reagieren.
8. RU Patching der Agenten via Console
Nachdem ein RU auf dem OEM angewendet wurde, sollten alle Agenten mit dem gleichen RU gepatcht werden. Dies lässt sich bequem und sogar zeitlich gesteuert durchführen, wenn gewünscht. Gerade in größeren Umgebungen spart das enorm an Zeit.
9. Monitoring Templates
In Monitoring Templates können Metrik-Schwellwerte eingestellt und später auf alle Ziele des gleichen Types angewendet werden. Somit werden zum Beispiel alle Datenbanken mit den gleichen Schwellwerten überwacht und es ist eine standardisierte Überwachung möglich. Leider ist diese Funktionalität ein Teil des Diagnostics Packs.
10. Enterprise Manager Commandline Interface (emcli)
Vieles lässt sich schnell und einfach via emcli abfragen und ausgeben. Auch per Skript kann man hier vieles automatisieren. Jedoch sind auch einige emcli “verbs”, also Kommandos lizenzpflichtig.
Kommen wir nun zu den drei Dingen, die mich an den Rand des Wahnsinns bringen (können)…
1. Lizenzierung
OEM bietet zahlreiche Funktionen, die nützlich und gut ausgereift sind. Leider sind es meist genau diese, für die eine zusätzliche Lizenzierung eines kostenpflichtigen Management Packs erforderlich ist. Oftmals ist dabei nicht eindeutig ersichtlich, ob die Seite, die man gerade nutzt, möglicherweise bereits lizenzpflichtige Inhalte enthält – was die Nutzung im Alltag erschwert. Die Funktion “Enable Annotations” könnte helfen, versehentliche Lizenzverstöße zu vermeiden, da sie entsprechende Hinweise einblendet. Meiner Meinung nach erscheint diese Funktion jedoch nicht durchgängig auf allen Seiten, was ihre Wirksamkeit aus meiner Sicht einschränkt.
2. OEM selbst patchen
Release Updates (RUs) einzuspielen ist oft aufwendig und fehleranfällig. Es bedingt das genaue Durchlesen des ReadMes und eventuell zusätzlichen MOS-Notes. Dazu kommt, dass der dazugehörige Weblogic Server extra gepatcht werden muss und nicht im OEM RU inkludiert ist. Gerade bei größeren Installationen mit mehreren OMS-Instanzen wird das schnell zur Geduldsprobe.
3. Fehlgeschlagene Jobs löschen
Fehlgeschlagene Jobs im Job-System des OEM werden nicht automatisch gelöscht, wie es bei erfolgreichen Jobs der Fall ist. Damit die Übersichtlichkeit bei der Jobübersicht gewahrt wird, sollten fehlgeschlagene Jobs untersucht und dann auch gelöscht werden. Auch in OEM24ai ist das Löschen durch eine Mehrfachauswahl von fehlgeschlagenen Jobs nicht möglich. Auch via emcli kann man die fehlgeschlagenen Jobs nicht auf einmal löschen. Ein “Select all” für fehlgeschlagene Jobs wäre ein echter Fortschritt – es bleibt aber leider beim mühseligen Einzelklicken.
Fazit
OEM hat sich für mich im Laufe der Zeit als ein sehr nützliches Werkzeug im DBA-Alltag erwiesen. Es bietet viele hilfreiche Funktionen, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich – insbesondere im Hinblick auf Lizenzierung und Wartung. Wenn man sich mit den Eigenheiten arrangiert und die Stärken gezielt nutzt, lässt sich mit OEM gut arbeiten.
DOAG Datenbank Kolumne: "Zehn Dinge, die ich am OEM liebe – und drei, die mich wahnsinnig machen"
Birgit Arndt, Leiterin Competence Center Datenbanken bei SVA, berichtet in ihrer Kolumne über ihre jahrelangen Erfahrungen mit dem Oracle Enterprise Manager.


