Was macht die DATEV?
Die DATEV eG ist im Kern ein Dienstleister für den steuerberatenden Beruf. Gegründet wurde das Unternehmen 1966 als Genossenschaft, um die damals teure IT für den steuerberatenden Beruf nutzbar zu machen. Dieser Genossenschaftsgedanke ist es, der das Geschäftsmodell der DATEV noch heute prägt. Wir arbeiten für den Erfolg unserer Mitglieder und fördern so auch deren Mandanten – den Mittelstand – bei der Abwicklung ihrer kaufmännischen Prozesse. DATEV ist dabei inzwischen eines der größten Softwarehäuser Europas mit mehr als 8000 Mitarbeitern, fast einer halben Million Kunden und einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro.
Was ist das Geheimnis des Erfolges von DATEV?
Ich denke, das eine Geheimnis gibt es nicht. Ein enorm wichtiger Aspekt ist aber sicherlich, dass DATEV als Genossenschaft nicht an kurzfristiger Gewinnmaximierung interessiert ist, sondern langfristig die richtigen Entscheidungen treffen kann. Indem wir eng mit unseren Mitgliedern und Kunden zusammenarbeiten, können wir auch auf deren Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Des Weiteren sind wir stetig bemüht uns zu verbessern und beziehen dabei aktiv (technologische) Trends und neue Technologien mit ein.
Wie sieht die Arbeit eines Senior Cloud Platform Engineer aus? Der 'Titel' lässt vermuten, dass es diese Jobbezeichnung schon seit Jahrzehnten gibt, aber dem ist ja bekanntermaßen nicht so...
Das ist sicher richtig, man wird vermutlich niemanden finden der 10 Jahre praktische Erfahrung mit Cloud Technologie vorweisen kann. Ich selbst bin 5 Jahre lang Softwareentwickler gewesen. Hauptsächlich habe ich mich mit JavaEE auf Application Servern beschäftigt, aber auch mit C++ auf einem IBM Mainframe. Danach bin ich auf die OPS-Seite gewechselt und habe mich 5 Jahre lag darum gekümmert Application Server zu betreiben und die Brücke zwischen DEV und OPS leichter begehbar zu machen. Ich bin da viel quasi als “Übersetzer” eingesprungen. Des weiteren habe ich viel im Bereich Monitoring gearbeitet, das früher nur OPS vorbehalten war. Ich habe das Thema für Entwickler geöffnet, um einen Einblick in ihre Anwendungen im Echtbetrieb zu bekommen.
Vor nunmehr 6 Jahren habe ich mit meinem Team begonnen die DATEV Cloud Plattform aufzubauen. Unser Ziel war eine Plattform, die nicht mehr den Limitierungen unterliegt, die sich aus der Trennung zwischen DEV und OPS ergeben. Inzwischen wird sie von mehreren Tausend Entwicklern täglich genutzt, die damit effizient Anwendungen für unsere Kunden entwickeln und betreiben. Dabei hat sich für mich deutlich gezeigt, dass Technologie alleine nicht ausreicht, sondern dass DevOps viel mehr ein Mindset ist. Mit dieser Erkenntnis hat sich mein Arbeitsschwerpunkt abermals verlagert, weg vom reinen Techniker hin zu dem was ich heute als "Senior Cloud Platform Engineer" bezeichne. Ich kann Software entwickeln, Netzwerkpakete auseinandernehmen, die verschiedenen notwendigen Virtualisierungslayer erklären, aber auch den Rahmen dafür schaffen, dass das notwendige Mindset und die entsprechende Kultur entstehen können.
Die Arbeit basiert im Wesentlichen auf der Grundlage, dass Technologie die Basis ist aber alleine nicht ausreicht, sondern dass sehr viel mehr dazugehört als reine Technologie. Das ist tatsächlich auch das Thema meiner Keynote am Freitag.
Die ganze Welt verlagert ihre Geschäftsmodelle in die Cloud. Dem liegt eine jahrzehntelange Entwicklung zugrunde, eine globale Infrastruktur aus Netzwerken, Informationstechnologie, Satelliten und Servern. Aber was machen wir, wenn der Strom ausfällt? Werden wir nicht auch zunehmend verletzlicher, durch die voranschreitende Digitalisierung?
Aus meiner Sicht ist das definitiv so, und alleine der Ausfall der EC-Kartenterminals im Mai zeigt wie sehr wir abhängig sind von digitalen Services. Allerdings macht die zunehmende Kollaboration zwischen Unternehmen und Kunden eine Digitalisierung von Prozessen gewissermaßen alternativlos. Aus meiner Sicht gibt es aber Möglichkeiten, um das Risiko zumindest abzumildern. Eine Option ist es, grundsätzlich auf mehrere Hersteller zu setzen. Übertragen auf IT kann eine Multi-Cloud-Strategie hier helfen, oder aber eine konsequente resiliente Architektur, die es erlaubt, dass ausfallende Teilbereiche eines Systems keine Auswirkungen auf das Gesamtsystem haben. Im Prinzip, wie es die Grundidee des Internets ist.
Aus meiner Sicht muss der Schritt in die Cloud und die Digitalisierung ein bewusster sein, bei dem man auch die Risiken einkalkulieren muss. Dabei ist Sicherheit ebenfalls alternativlos und eine Grundvoraussetzung. Fortschritt kann allerdings nur dann entstehen, wenn man manchmal auch bewusst Risiken eingeht.
Nach Corona kam der Krieg und das scheint nicht das Ende großer Krisen der jüngeren Zeit zu sein. Beides war so nicht vorhersehbar. Was denkst du über die aktuelle Situation? Wie behält man einen kühlen Kopf und trifft angemessene Entscheidungen?
Wenn die jüngere Vergangenheit eins gezeigt hat, dann dass wir keine Dreijahresplanung mehr machen können. Die Welt ändert sich schneller als sich ein solcher Plan anpassen lässt. In dieser VUCA-Welt ist es notwendig. Strategien zu entwickeln, mit denen man in kurzen Zyklen auf Veränderungen reagieren und den Kurs anpassen kann, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Im Wesentlichen geht es um Konzepte zum Erreichen von Agilität, die eben nicht nur für Softwareentwicklung gelten, sondern auch für viele anderen Bereiche. Man muss akzeptieren, dass solche, auch disruptiven, Veränderungen das neue 'normal' sind, und dass sie Chancen beinhalten, um zusammen mit Kunden Neues zu erschaffen.
Du bist auf der CloudLand dabei, weil...
..."Cloud" von Communities lebt. Es ist essentiell, von anderen zu lernen, aber auch die eigenen Erfahrungen zu teilen. Deswegen freue ich mich auf viele interessante Sessions und Erfahrungsberichte um zu lernen, wie man Dinge anders oder besser machen kann. Natürlich freue ich mich aber ganz besonders auch auf viele interessante Gespräche, denn gerade dieser 'zufällige' Austausch ist es, was keine virtuelle Konferenz je ersetzen können wird.
Die CloudLand ist als Festival mit einem großen Rahmenprogramm von der Deutschsprachigen Cloud Native Community konzipiert und organisiert worden. Was interessiert dich auf dem viertägigen Event und welche Veranstaltungen wirst du besuchen?
Bei der CloudLand interessieren mich unter anderem stark die Cloud Customer Stories aber auch Handson Labs und DeepDive Sessions. Ich hab noch keine Agenda für mich zusammengestellt und werde sicher auch spontan an den Festivaltagen umplanen. Ich werde versuchen keine Gelegenheit des Lernens auszulassen.
Vier Tage, vier Themen
Mit den Themenschwerpunkten "Container- & Cloud-Technologien" am Tag 1, "Microservices & Domain-driven Design" am Tag 2, "DevOps & Methodik" am Tag 3 und "CI/CD & Automatisierung" an Tag 4 schafft die CloudLand 2022 locker den Blick vom Status-quo auf die zukünftigen Herausforderungen im Umgang mit der Cloud-Technologie zu richten. Heise Medien ist Event-Partner des viertägigen Festivals im Phantasialand bei Brühl und auch an der Durchführung vor Ort aktiv eingebunden. Tickets für die CloudLand 2022 gibt es hier, das gesamte Line-up mit über 120 Sessions und einem außergewöhnlichen Rahmenprogramm gibt es hier. Der Hashtag für die CloudLand lautet #cloudland2022. Über das Twitter-Profil der CloudLand-Community verpasst ihr keine News mehr.

